Heute fand in Köln eine Israel-Solidaritätskundgebung statt. Und es gibt eigentlich nur Gutes zu berichten. Keine Ausschreitungen, keine Hetze und keine Übergriffe seitens der Demonstranten gegen anders Denkende; kein gut oder schlecht eingeübtes Parolen-Gegröle, so dass die Anwohner und die Gäste der Gastronomiebetriebe auf den Bürgersteigen nicht belästigt wurden. Anders, als ich es von TerrorFriedens-Demos kenne.
Na ja, fast nicht, denn da war eine Gruppe der „Gäste zur Linken“ (so Michel Friedmann in seiner Ansprache), die meinten mit den bekannt fantasielosen Parolen und Pfeifen Einfluss nehmen zu können. Das gelang nicht einmal ansatzweise. Witzigerweise fingen irgendwann die Glocken des Doms an zu läuten, so dass man auf dem Roncalliplatz zwar noch die Redner, aber nicht mehr die Störer verstand. Nett, die Leute vom Dom!
Mal abgesehen von der Öde der Uralt-Parolen der „Gegendemonstranten“ – es ist bezeichnend, dass die Polizei diese mit der Kamera ins Visier nahm. Die „Mörder“-Brüller waren also offensichtlich diejenigen, von denen die Beamten am ehesten Ausschreitungen befürchteten. Und was von den grammatischen Fähigkeiten dieser Hetzer zu halten ist – kann man auf dem Foto selbst herausfinden:

Da waren mir andere „alte Parolen“ der Israelfreunde doch viel lieber:

Bezeichnend waren die Schlussworte der Demo-„Moderation“: Die Veranstaltung endet hiermit. Die Polizei wird auch bald abziehen. Dann können wir für Ihre Sicherheit nicht mehr garantieren.“ So sieht es mit der Meinungsfreiheit in Deutschland inzwischen aus – Toleranz darf nur der Terrorfreund erwarten. Friedliche Juden und ihre Freunde müssen aufpassen.
Eigentlich war ich jetzt auf die Angaben zur Teilnehmerzahl in den Medien gespannt; vom eigenen Umsehen würde ich schätzen: deutlich über 1.000, möglicherweise 1.500. Ein Mann an einem Tisch im Straßencafé (einer allerdings recht engen Straße) wunderte sich jedenfalls: „Hört dat dann övverhaup nit mie op?“.
Die Suche beim WDR-Fernsehtext erbrachte nicht einen einzigen Buchstabe zur Demonstration. Auf der WDR-Nachrichtenseite für das Rheinland (Studio Köln) war auch nichts zu finden. Kölner Stadtanzeiger? Nada. Kölnische Rundschau? Fehlanzeige. Muss ich wohl mal bis morgen warten, ob da noch was kommt.
update Montagmorgen, 9.45 Uhr: Aber auch da hilft alles nichts. Bei Köln-online gab es einen Link auf einen taz-Artikel, der die Demo in Köln ankündigte. Ansonsten: Tote Hose. Toll, wie unsere Medien informieren.
update Freitag, 04.08.2006: Der Kölner Stadtanzeiger hat doch noch berichtet, am Mittwoch (2.8.)! Allerdings wird dort mit Angaben hantiert, die so schlicht nicht stimmen. Wären es tatsächlich nur 400 Teilnehmer gewesen, sie hätten sich am Roncalliplatz ziemlich weitläufig verloren. Und die Gegendemonstranten waren mitnichten nur Türken und Palästinenser.