Haaretz, 21. August 2006Der folgende Text eine Petition, die von IDF-Reservisten unterzeichnet wurde, die in der Speerspitze-Brigade im Libanon dienten; sie protestieren gegen die Führung des Krieges durch die Regierung und hochrangige Militärs:
Wir, die Kämpfer und Kommandeure der Hod Hachanit-Brigade, wurden am 30. Juli 2006 unter dem Gesetz für dringende Mobilisation (Tzav 8) eingezogen. Alle Battaillone waren zu 100% anwesend.
Als wir den Empfang der Kampfausrüstung und Waffen unterschrieben, wussten wir, dass wir viel mehr unterschrieben. Wir ließen Ehefrauen und Kinder, Freundinnen und Familien zurück. Wir verließen unsere Arbeit und unser normales Leben; wir waren darauf vorbereitet unseren Auftrag unter den schwierigst möglichen Umständen auszuführen, in Hitze und mit Durst und Hunger.
Jeder einzelne von uns hatte im Hinterkopf, dass wir für die gerechte Sache des Schutzes der Bürger Israels sogar unser Leben riskierten.
Aber es gab eins, das wir nicht akzeptieren wollten und konnten: Wir waren nicht bereit Unentschlossenheit zu akzeptieren. Das schon nicht klar definierte Ziel des Krieges wurde selbst während der Kämpfe verändert. Unentschlossenheit zeigt sich in Untätigkeit, darin, dass die operationellen Pläne nicht ausgeführt werden und in der Streichung aller Aufträge, die während der Kämpfe gegeben wurden. Das führte zu verlängerten Aufenthalten auf feindlichem Territorium, ohne einen operationellen Sinn und aus unprofessionellen Überlegungen, ohne das Ziel den Feind in Kämpfe zu verwickeln.
Die „kalten Füße“ der Entscheidungsträger waren überall sichtbar. Für uns drückte die Untätigkeit tiefe Missachtung unsere Bereitschaft aus, sich einzugliedern und zu kämpfen und gab uns das Gefühl, dass auf uns gespuckt würde, da dies den Prinzipien und Werten der Kriegsführung widerspricht, unter denen wir in den israelischen Verteidigungskräften ausgebildet wurden.
Dieses drückende Gefühlt, dass es in den Rängen über uns nichts als zu wenig Vorbereitung gab, dazu Unaufrichtigkeit, fehlende Voraussicht und die Unfähigkeit rationale Entscheidungen zu treffen, führt zu der Frage: Wurden wir für nichts einberufen?
Wir stehen jetzt am Tag danach und es scheint, dass die Unmoral und die Abwesenheit jeglicher Scham die Feigenblätter sind, die benutzt werden, um den Pfusch der letzten sechs Jahre und die mangelnde Vorbereitung der Armee auf unserem Rücken auszutragen – dem Rücken der Kämpfer. Um vorbereitet in die nächste Schlacht zu gehen – und es könnte schon bald so weit sein – muss eine gründliche und fundamentale Veränderung stattfinden.
Die Vertrauenskrise zwischen uns als Kämpfern und den höheren Rängen wird nicht ohne eine gründliche und achtbare Untersuchungskommission unter der Schirmherrschaft des Staates gelöst werden können. Wenn die Kommission ihre Aufgabe erledigt, müssen Schlüsse daraus gezogen werden, auf der Ebene der strategischen Planungen und nationalen Sicherheit wie auf der persönlichen Ebene der Beteiligten.
Wir haben einen hohen Preis bezahlt, um zu kämpfen und siegreich aus der Schlacht zu kommen; wir haben das Gefühl, dass uns das verweigert wurde. Wir werden auch zukünftig den Einberufungen folgen, für jede Mission, die wir ausführen sollen, aber wir würden gerne wissen, dass diese Mission Teil eines klaren Zielstellung ist und mit der Absicht ausgeführt wird zu kämpfen.
Als Soldaten und Bürger erwarten wir eine Antwort zum frühestmöglichen Zeitpunkt.
Die Unterzeichner
Kämpfer und Offiziere der Speerspitze-Brigade.