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Wie vor 40 Jahren? Nee, wirklich nicht!

Seit Tagen wurde die Demonstration in Washington, D.C. medial bei uns angekündigt. Es wurden Erinnerungen, die Demonstration gegen den Vietnamkrieg von 1967 beschworen, die „der Wendepunkt in diesem Krieg“ war. Und so sollte es auch diesmal werden. Dieser Anti-Irakkrieg-Protest, so waren viele – die Medien vor allem, gerade hier bei uns – sich sicher, würde den Wendepunkt bringen; die Politik und besonders George W. Bush müssten jetzt klein bei geben und sich schnell zurückziehen.

Was mich bei diesen Beschwörungsberichten verwundert: Sind die eigentlich nicht in der Lage etwas eigenes zu machen? Können die sich nicht anders machen als in der Vergangenheit schwelgen und darauf hoffen, dass sie das von damals noch einmal schaffen? Sind die nur in der Lage in den Kategorien von vor 40 Jahren zu denken und zu handeln? Warum können die nur in der Vergangenheit leben?

Noch eins scheinen diese Protestler nicht begreifen zu wollen oder zu können: Im Gegensatz zu 1967 gibt es heute keine feige Regierung, die die Soldaten in einem schmutzigen Krieg alleine lässt. Und vor allem: Es gibt keine US-Bevölkerung, die zwischen Ignorierung und Feindseligkeit den eigenen Truppen gegenüber schwankt. Heute gibt es reichlich Patrioten, die etwas dagegen haben, dass die Truppen an der Heimatfront im Stich gelassen werden.

All solche Gedanken scheinen den Kriegsgegnern nicht zu kommen. Aber auch die Medien spielen mit. Sie beschworen ebenfalls die Vergangenheit, ohne Rücksicht auf die ganz anderen Umstände. Sie, wie die Bush-Basher, schreiben, senden und schwafeln seit Jahren von einem zweiten Vietnam und hoffen inständig, dass die Amerikaner wieder verlieren werden – ohne Rücksicht darauf, welche Folgen das haben wird. Sie hoffen nicht nur, sie unternehmen alles, was in ihrer Macht steht, dass es so kommt. Dass sie damit Terroristen, Massenmörder, ja: Völkermörder unterstützen, sie salonfähig machen und ihr Tun überall in der Welt heraufbeschwören, das stört sie nicht, davor verschließen sie die Augen.

Und unter dieser Haltung steht die Berichterstattung über den gestrigen Protest in Washington. Unsere Fernsehsender erzählten vom Protest der Kriegsgegner; sie erwähnten auch, dass die Organisatoren eine Enttäuschung erlebten, weil weit weniger an der Demonstration teilnahmen als erwartet. Wie groß die Differenz war, wurde kaum einmal erwähnt. Die niedrige Teilnehmerzahl wurde dem kalten Wetter in die Schuhe geschoben. Das war’s dann auch. Prominente Redner konnten nicht vorgewiesen werden, wenn man von Cindy Sheehan absieht, die aber nicht „prominent“, sondern höchstens berüchtigt ist.

Auch kurz erwähnt wird „eine Gegendemonstration“. Über sie wird hinweggegangen. Sie ist vernachlässigbar. Wenn das wirklich so wäre! Aber wie immer, wenn etwas nicht so ist, wie die MSM es gerne hätten, dann wird es „tot geschwiegen“, so gut es geht. Die Zahl der Gegendemonstranten von gestern herunter gespielt, wenn überhaupt erwähnt. Aber selbst die Washington Post, die ansonsten ausführlich und ausschließlich negativ über die Gegendemonstranten schreibt (wofür sie sich vereinzelte, nicht repräsentative Vorfälle und ein vereinzeltes, nicht repräsentatives Foto herauspickt und inhaltlich übertreibt) muss zugeben, dass die Zahl der Gegendemonstranten „in die Tausende geht“. Erste Zahlen stehen nicht bei „Tausenden“, sondern bei 30.000 – also mindestens so viele wie die Protestler. Wenn man davon ausgeht, dass die Zahl der Demonstranten wegen der Kälte so niedrig war, dann muss man dasselbe für die Gegendemonstranten annehmen. Aussagen hierzu sind aber nirgendwo zu finden.

Die Gegendemonstration war nicht wirklich worden. Unter dem Schlagwort „Gathering of Eagles“ (Zusammenkunft/Treffen der Adler, kurz GoE) war dafür geworben worden; mehr nicht; einfach nur, dass die Leute kommen und den Linken zeigen sollten, dass sie den Tag nicht für sich alleine haben würden. Dass die große Zahl der „Eagles“ nicht wirklich wahr genommen wird, könnte auch mit daran gelegen haben, dass sie sich nicht nur an einem Ort aufstellten, sondern den Protestweg dicht säumten (kann man indirekt dem WaPo-Artikel entnehmen) und sich am Lincoln Memorial sowie am Vietnam-Memorial verteilten, das sie besonders zu schützen bereit waren; es hatte im Vorfeld Gerüchte gegeben, dass dieses Denkmal geschändet werden sollte, wie Demonstranten im Januar einige repräsentative Stellen der amerikanischen Demokratie mit Schmiererein „verzierten“. Man befürchtete, die Kriegsgegner würden es wieder so machen oder das Denkmal sonst irgendwie beschädigen.Vietnam-Veteranen reagieren auf solche Vorhaben recht empfindlich.

Die Verunstaltungen hätten zu den Kriegsgegnern gepasst. Verunglimpfungen, „Bush=Hitler“-Plakate, Terroristen (u.a. natürlich Che Guevara) verherrlichende Banner und die sonstige übliche Gülle wurden ausgekippt, vorgezeigt und als moralische Überlegenheit ausgegeben. Der wohl anschaulichste Unterschied zwischen den „Sheehanigans“ und den „Eagles“ konnte dann später festgestellt werden: Während die Orte, wo die „Eagles“ gegendemonstrierten sauber hinterlassen wurden, war bei den Kriegsgegnern Müll ohne Ende zu „finden“. Damit die Straßenkehrer der Stadt Washington auch ihren Job behalten können?

Und so geordnet, wie die „Eagles“ den Ort verließen, verhielten sie sich praktisch überall. Natürlich haben sie ihre Gegner auch mit kräftigen Sprüchen (mündlich und auf Plakaten) nieder gemacht. Das Unangenehmste davon, das ich gefunden habe, trug den Spruch: „Fahrt zur Hölle, Verräter. Ihr entehrt unsere Toten auf heiligem Boden“. Das reicht bei uns für im günstigsten Fall völliges Unverständnis, in der Regel für böse Denunziationen derer, die das Plakat halten. Mir gefielen andere, kreativere Bilder und Sprüche auch besser:

Da würde ich mal sagen: allesamt interessanter, geistreicher und intelligenter als „USA raus aus dem Irak“, „Stop war on Iran“ usw. Oder, was natürlich nie fehlen darf: dass der 11. September von Bush organisiert wurde und endlich die Wahrheit heraus müsse.

Um aber dies alles sehen und lesen zu können, muss man – wie üblich – die Bloggerszene in Anspruch nehmen. Die traditionellen Medien sind viel zu sehr damit beschäftigt eine andere Agenda zu verfolgen. Hier die Links zu Berichten über die „Gegendemonstration“, die den Antiamerikanisten eigentlich eine Demo-Niederlage mit schallender Ohrfeige verpassten (leider natürlich alle nur auf Englisch, nicht sortiert):

ARD 19.46 Uhr: Weltspiegel – kein Bericht direkt über die Demonstration; man konzentriert sich voll auf das Trauma Irak - Vietnam (mit reichlich Filmmaterial aus den 60-ern); „sie haben nichts dazu gelernt“; junge Amerikaner erfahren praktisch nichts über den Vietnamkrieg; die US-Regierung verhält sich genauso mies wie beim Vietnamkrieg; Videos von Terroristen, die im Irak ihre Anschläge aufzeichneten und feierten usw. Das Schmalspurdenken ist offensichtlich, sie können’s nicht anders. Und es darf natürlich nicht fehlen, dass George W. Bush „sich drückte“ und dass Vietnam-Kämpfer John Kerry vor einem Senatsausschuss aussagte (wo er natürlich nur die reine Wahrheit von sich gab...) und der heute selbst Senator und Kriegsgegner ist (wie schön, dass man alles so verkürzen kann). Nirgendwo eine Stimme, die anderer Meinung ist. Ganz Amerika ist gegen Bush. Wieso nur haben sie ihn dann wieder gewählt? Ach ja, weil einige Leute erst jetzt begreifen, was los ist. Aber sie begreifen es wenigstens. Nach Meinung unserer ARD.

Das eigentliche Thema verpassen sie, weil sie es nicht sehen wollen: Die „Friedens“-Terrorfreunde haben zum ersten Mal in der US-Geschichte erleben müssen, dass ihnen massig anders Denkende gegenüber stehen. Dass die „schweigende Mehrheit“ anfängt nicht mehr zu schweigen, sondern sich den Dösbaddeln entgegen zu stellen. Wurde auch Zeit, dass die Bühne nicht mehr nur den linken Wolkenkuckucksheimern und ihrer Hetze gehört.

Nachtrag, 19.03.2007: Noch ein interessanter Bericht, zwar aus Deutschland, aber auf Englisch. Davids Medienkritik (ein Blog, was sonst!) hat eingestellt, was ein Vietnam-Veteran zu berichten hatte, der als halb-offizieller Fotograf der „Gathering of Eagles“ agierte. Ein Erlebnis des Mannes hat mit den deutschen Medien zu tun: Eine Reporterin des ZDF interviewte einen Vietnam-Veteran, der gegen den Irakkrieg ist. Als der Autor sich auf Deutsch an die Dame wandte und meinte, er könne eine andere Meinung präsentieren, als der vorige Interviewpartner, wurde er abgewimmelt und das ZDF-Team ging regelrecht stiften: „Wir haben alle Interviews, die wir brauchen.“ Rede mal keiner von objektiver Berichterstattung in Deutschland!

18.3.07 21:05
 



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