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Der Unterschied zwischen uns und Hisbollah ist, dass wir, wenn wir Unschuldige toeten, es als Fehler betrachten; wenn sie Unschuldige toeten, betrachten sie es als Erfolg.
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Geier

Das Wort war mir neu. Ich hörte es heute im WDR zum ersten Mal: Geierfonds. Scheint, ich hatte da etwas verpasst. Und wenn es Leute gibt, die aus Geld Geld machen, dann müssen sie mit negativ besetzten Tieren benannt werden. Die vor nicht allzu langer Zeit von Vizekanzler Müntefering in die Welt gesetzte „Heuschrecken“-Denunzierung ist heute gängig, wenn auch immer in der Formulierung „von Müntefering so bezeichnet“. So kann man, indem man den Strippenzieher mit dem roten Schal zitiert, die eigene Meinung wunderbar unschuldig kund tun und trotzdem entsprechende negative Gefühle beim Leser festigen.

Weniger bis gar keine Scham gibt es jetzt bezüglich dieser „Geierfonds“. Das sind nach Erklärung von heute im WDR Fonds, die Schulden von Dritte Welt-Ländern beim Geberland für’n Appel und’n Ei aufkaufen und dann das meist afrikanische Land unter Druck setzen, die Schulden zu begleichen, sonst würden sie verklagt – was zur Folge hätte, dass beispielsweise die Weltbank keine Gelder mehr fließen lassen würde.

Dieses Verhalten kann im Dritte Welt-romantisierten Europa kein gutes Wort finden. Nein, das ist regelrecht kriminell, muss verboten werden. Und klar, Bush ist nicht dieser Meinung, was nur die Richtigkeit der Abscheu gegen die „Geier“ unterstreicht. Diktatoren oder Misswirtschaftern in der Dritten Welt darf man einfach nicht in Rechnung stellen, was sie bekommen.

Wenn man dann liest, was ein Afrikaner über die europäische Entwicklungshilfe denkt und dass nach einem Schuldenerlass genau die Länder, die schuldenfrei da standen, heute 50% mehr Geld aufgenommen haben als ihnen je erlassen wurde. Mit anderen Worten: Die Entwicklungshilfe-Politik ist kontraproduktiv bis zum Geht-nicht-mehr.

Die Gewinnmargen der „Geierfonds“ sind alles andere als anständig. Ein Beispiel wurde im WDR gebracht: Rumänien verkaufte für 3 Millionen Dollar einen afrikanischen 15-Millionen-Schuldschein, weil es inzwischen überzeugt war, von dem Geld nie wieder etwas zu sehen. Über eine Klage kassierten die Geier dann 20 Millionen von dem betroffenen Staat.

Da gibt es einiges, was kritisiert werden kann. Aber könnte es sein, dass diese Geier insofern etwas Richtiges tun, als Schuldnern die Zurückzahlung abverlangt wird? Dass sich einige Staaten zu überlegen anfangen, ob sie nicht doch irgendwann mal anfangen zu wirtschaften statt sich auf Dauer alimentieren zu lassen?

Ich weiß, das ist in Europa – und besonders in Deutschland – alles andere als populär ist, so etwas zu denken, geschweige denn auch noch von sich zu geben. Doch vielleicht gibt es irgendwo ein Körnchen Denkansatz, das aus den alten Schemata ausbricht und Kreativität nicht nur innerhalb der alten Schablonen fordert, sondern im Ansatz überhaupt beginnt.

22.5.07 18:30
 



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