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Kollektiv-Verantwortung? Auf keinen Fall!

(Kollektiv-)Strafe muss sein“, titelt Claudio Casula zwar in einem etwas anderen Zusammenhang, erwähnt aber auch, dass die Leute im Gazastreifen die Terroristen von der Hamas nun mal selbst ins Amt gewählt haben. Und zieht dabei den Vergleich zu Deutschland, das Hitler in die Regierung wählte.

Jetzt ist das so eine Sache mit der Weimarer Demokratie und ihrem Ende. Wir bekommen doch gerne immer wieder mal aufgetischt, dass die Deutschen Hitler ja gar keine Mehrheit im Reichstag hatte und nur an die Macht kam, weil die Drahtzieher der Notstandsregierung glaubten sie könnten ihn als Frontmann benutzen und lenken. „Die“ Deutschen hätten also gar nichts so richtig dafür gekonnt, dass der kleine Landstreicher den Kanzlerposten bekommen hat.

So kann man das sehen. Und es stimmt, dass die NSdAP im Reichstag keine Mehrheit hatte – selbst nach den undemokratischen Wahlen von 1933 nicht. Aber es haben sie genug Leute gewählt, dass der „Führer“ in Betracht gezogen werden konnte. Eine große Mitverantwortung der deutschen Bevölkerung an der „Machtergreifung“ (die ja eher eine Machtübergabe war) kann also nicht abgestritten werden.

Im Vergleich mit den Machthabern im Gazastreifen könnte man „den Deutschen“ dann allerdings zugute halten, dass sie keine demokratische Mehrheit für Hitler produziert hatten – anders als die Hamas, die eine überdeutliche absolute Mehrheit in den Wahlen zum Palästinenserparlament gewann.

Dass normalerweise jeder für sein Tun verantwortlich und damit das Scheinargument der „Kollektivstrafe“ Unsinn ist, wird heute gerne unter den Tisch gekehrt. Für Palästinenser scheint es grundsätzlich verboten. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass man damit auch die Deutschen in ihrer Geschichte um den Machtwechsel von der Weimarer Demokratie nach Nazi-Deutschland weniger bis keine wirkliche Verantwortung zuschreiben kann – schließlich haben sei ja weniger die Nazis gewählt als die PalAraber die Hamas. Und je weniger Verantwortung die Deutschen an Hitler haben, desto stärker kann man vom Bomben-Holocaust schwadronieren, was dann dafür sorgt, dass man als Opfer der Alliierten viel näher an die Auschwitz-Opfer rückt, fast schon auf eine Stufe. Das ist praktisch. Wer genauso oder fast genauso Opfer ist wie die Juden (und „Zigeuner“ und andere Vergaste), dem kann nicht so viel Verantwortung aufgehalst werden. Auf diese Weise lässt sich Hitler hervorragend heute noch bekämpfen. Die mit den Ambitionen sein Werk zu vollenden entlastet man auch gleich noch. Die Nazi-Keule haut man aber denen über den Kopf, die den neuen Judenmord nicht mitmachen wollen.

Verantwortung? Verantwortlich sind immer die anderen, im Zweifelsfall die Opfer. Die Palästinenser können nichts dafür, dass sie die Hamas gewählt haben. Konsequenzen sind „Kollektivstrafe“ und das ist ein no-no, das geht nicht. Noch weniger als bei Kerner die Autobahn.

29.10.07 18:04
 



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